13.05.2004

Der blaue Ball mit den gelben Sternen - von Maxie Quaiser

Es ist ein Sonntag und normalerweise das perfekte Wetter um gemütlich zu Hause zu bleiben. Es regnet in Strömen. Dennoch mache ich mich auf den Weg. Mein Ziel ist der Europabus. Dieser tourt schon seit dem letzten Jahr quer durch die Republik. Für den Ort der Abschlussveranstaltung haben sich die Organisatoren Berlin ausgesucht. Samstag und Sonntag wird der Bus also noch Neugierigen präsentiert.

 

Angekommen am Potsdamer Platz sticht mir der Europabus sofort ins Auge. Trotz des Wetters wuseln zahlreiche Menschen herum. Neben dem Bus ist noch ein Zelt aufgebaut. In diesem stehen freundliche Mitarbeiter, die gerne allerlei Fragen zum Thema Europa beantworten. Auch unter den Besuchern wird rege diskutiert. Eine Veranstalterin erklärt, dass die Themen sehr individuell seien. In Grenzstädten wurde beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass dort die Menschen schon sehr europanah leben würden und es mehr um Fragen der Mobilisierung ginge. Dagegen würde in Städten mit einer hohen türkischen Anwohnerzahl das Thema des Beitritts der Türkei in die EU im Vordergrund stehen.

 

Innerhalb des Zeltes sowie auch im Europabus steht viel Informationsmaterial zur Verfügung.

Wovon mein Blick jedoch gefesselt wird, ist etwas Anderes. Ängstlich schaue ich dabei zu, wie ein kleiner Junge in halsbrecherischer Höhe auf mehreren übereinder gestapelten Kisten thront. Zwar ist er an einem Seil gesichert, aber beklommen ist mir trotzdem zumute. Vorallem werden ihm von einer unten stehenden Frau immer neue Kästen zugeworfen und er muss seinen Kletterturm mehr und mehr erhöhen. Der Kleine ist so mutig, dass er letztendlich alle 15 Kästen gestapelt hat und somit gewonnen hat. Denn das Kletterspiel funktoniere so, dass jeder einzelne Kasten mit einer Flagge der 15 Beitrittsländer verziert ist. Der Siedler muss die Flagge erst dem jeweiligen Land zuordnen und dessen Hauptstadt nennen, bevor er den nächsten Kasten erhält. So wird der Turm immer höher. Dass das Spiel durchaus beliebt ist, zeigt die Tatsache, dass in der schwindelerregenden Höhe auch schon ein 65-jähriger in den Seilen hing. Außerdem wird mir gesagt, dass sich fast jede Schulklasse an diesem witzigen Spiel beteiligt habe. Immerhin kamen in dem gesamten Veranstaltungszeitraum fast 400 verschiedene Schulklassen.

 

Die Besucher hatten zudem die Möglichkeit, direkt mit Politikern in Kontakt zu treten. Diese sogenannten "Bürgergespräche" seien auch rege angenommen worden.

 

Als der Europabus anfing zu starten ging es im Allgemeinen hauptsächlich um das Thema der Verfassung, es folgten die Osterweiterung und jetzt ganz am Ende die Europawahlen.Für diejenigen, die nich wissen, welche Partei für sie persönlich in Frage kommen könnte, sollten sich einmal mit dem Wahl-O-Mat beschäftigen. Auch dieser wurde an einem PC innerhalb der Busses zur Verfügung gestellt. Unter www.Wahl-O.Mat.de kann jeder im Internet seine Partei herausfinden. Das Programm wurde von jungen Menschen mitentwickelt. Es werden unterschiedliche Thesen zum Thema Europa dargelegt, denen man zustimmern kann oder auch nicht. Aufgrund der Antworten wird später die in Frage kommende Partei ermittelt.

 

Während meiner Besichtigung fällt mir noch etwas auf: Überall sehe ich Familien deren Kinder kontinuierlich darauf beharren "den blauen Ball mit den vielen gelben Sternen" zu bekommen. Nur die Luftballons seien schließlich "langweilig und doof". Jedoch erfahre ich, dass es das Objekt der Begierde nur zu gewinnen gibt. Also füllen die Eltern schleunigst das Europaquiz aus, welches überall ausliegt. Haben sie tatsächlich gewonnen, wollen sie nur den beliebten Europaball. Schließlich gehen alle Familienmitglieder glücklich nach Hause. Die Eltern stolz aufgrund ihres Wissens, die Kinder zufrieden mit dem Ball. Ich schmunzel und denke mir, dass man tatsächlich auch so Europa interessant für jeden machen kann.

 

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