EU-Munition für den Kampf gegen den Pleitegeier - von Petra Stallmann

 

Der Pleitegeier kreist über Deutschland und richtet Bundesland pro Bundesland erheblichen Schaden an. Allein in Niedersachsen ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2003 auf 3.115 gestiegen, von denen 20.014 Beschäftigte betroffen waren. Förderprogramme der Europäischen Union sollen helfen, Unternehmen vor diesem Schicksal zu bewahren. Die wichtigsten Instrumente der EU in diesem Zusammenhang sind der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und der Europäische Sozialfonds (ESF).

 

Im Mittelpunkt der Förderungen des EFRE stehen Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft, besonders kleiner und mittlerer Unternehmen, der Forschung und technologischen Entwicklung, der Erneuerung städtischer Problemgebiete, der innovativen Verbesserung der Infrastruktur, des Tourismus und der Kultur, des Hochwasserschutzes sowie Umweltschutzes.

 

Aus dem Europäischen Sozialfonds ESF werden Programme finanziert, die die einzelstaatlichen Bildungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungspolitiken modernisieren und anpassen. Damit die Bürger mehr Selbstvertrauen haben und sich auf dem Arbeitsmarkt besser anpassen können, unterstützt der ESF auch Maßnahmen, die ihnen die notwendige Qualifikationen und soziale Kompetenz vermitteln.

 

Für die Förderperiode 2000 bis 2006 erhält Niedersachsen zur Verringerung des Wirtschaftgefälles 732,9 Millionen Euro aus Mitteln des EFRE und zusätzlich ca. 30 Millionen aus dem ESF. Für die Förderung von Programmen zur Qualifikation von Arbeitnehmern und zur Unterstützung unternehmerischer Initiative gibt es 312,9 Millionen Euro aus ESF Mitteln.

 

Ein Beispiel, wo das Geld zum Einsatz kommt, ist das Bildungswerk verdi in Oldenburg. Speziell für Frauen wird über das ESF-Projekt „Frauen in Führung“, die Seminarreihe „Kompetent, locker und überzeugend Präsentations- und Stimmtraining“, sowie der Kurs „Professionelles Führungswissen für Frauen“ angeboten. Professionelles Kommunikations- und Konfliktverhalten sollen Frauen in der Seminarreihe “Kompetenztraining für Frauen die ihren Erfolg steigern wollen“ erlernen. Die anderen Programme wie „Zukunftssicherung durch flexibles Lernen“ und „Kompetenz in Technik“ seien für alle sozialversicherungspflichtigen Angestellten von kleinen und mittleren Unternehmen aus Weser Ems, erklärt Lucie Sommerfeld, Regionalleiterin des Bildungswerks verdi.

 

Im Projekt „Wissensmanagement“ soll Arbeitnehmern vermittelt werden, wie sie Wissen austauschen, auswerten und richtig einsetzten. „Die Teilnehmer werden qualifiziert, gewinnen an Erfahrung und Wissen und sollen dies dann wieder ins Unternehmen zurückfließen lassen“, so Sommerfeld, der Erfolg könne sich sehen lassen. Gerade KMU könnten sich oft solche Qualifizierungsmaßnahmen nicht leisten, daher seien subventionierte Programme sehr wichtig.

 

Dieses Problem bestätigt auch Prof. Anke Hanft, Projektleiterin des an der Oldenburger Carl-von-Ossietzky-Universität gegründeten Studiengangs zum Bachelor of Business Administration. Das hier angewandte duale System ermöglicht dem Arbeitnehmer eine akademische Weiterbildung an der Hochschule mit beruflicher Qualifizierung am Arbeitsplatz. "Nachdem ich in Oldenburg angefangen habe, bin ich zu den Unternehmen gegangen und habe mit ihnen gesprochen. Sie haben die Entwicklung des Studiengangs begleitet, das ist in dieser Form einmalig", so Hanft. Drei Jahre wurde der Studiengang vom ESF unterstützt, ab Oktober wird er sich aus eigenen Mitteln selbst finanzieren.

 

Beide Projekte sind voll ausgelastet und das Bildungswerk verdi plant bereits neue Kurse. Vielleicht hat die EU durch die finanzielle Unterstützung wirkungsvolle Mittel gefunden, um den Pleitegeier zu stoppen. Die zahlreiche Beteiligung von Arbeitnehmern und Unternehmen an solchen Projekten scheint der EU jedenfalls Recht zu geben.

 

Erschienen am 3.9.2004 bei europa-digital

 

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