03.05.2004
"Europorterinnen" erlebten EU-Beitrittsveranstaltung in Warschau - von Nancy Eggeling und Sandra Klose - Magdeburger Volksstimme
Es gab Beifall, aber keinen Jubel
Mit vielen Veranstaltungen wurde die EU-Erweiterung gefeiert. Die überparteiliche "Europa-Bewegung Deutschlands" entsandte Nachwuchsjournalisten als "Europorter" zu wichtigen Schauplätzen. In Warschau waren für die Volksstimme die Volontärinnen Sandra Klose und Nancy Eggeling dabei.
Warschau. "Ja zu Polen, nein zur Union!" Rund 2000 Polen demonstrierten am 1. Mai in der Warschauer Innenstadt gegen den Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union. Während die offiziellen Feiern nur wenige Besucher anlockten, bestimmten die Gegner der Ost-Erweiterung am Feiertag für mehrere Stunden das Straßenbild. Zu den Protesten hatte die national-konservative Partei "Liga polnischer Familien" aufgerufen. "Es ist falsch, gemeinsame Sache mit der EU zu machen. Unsere Chance ist die Unabhängigkeit", sagte Lukasz Wietrzik (20), einer der Demonstranten.
Begleitet von einem Spielmannszug sangen Anhänger der Liga die Nationalhymne. Auf ihrem mehrere Kilometer langen Weg vom alten Königsschloss zum Parlament forderten sie in Sprechchören die Souveränität Polens und die Wahrung ihrer Traditionen. "Wir sind Polen, keine Europäer. Europäische Kultur und Wirtschaft haben nichts mit der polnischen gemein, und wir wollen sie auch nicht", sagte Jec Jacek. Der 38-jährige Programmierer aus Warschau fürchtet vor allem den Verfall religiöser Werte: "Wir sind katholisch. Unsere Religion ist uns wichtig. In den meisten europäischen Staaten wird darauf nicht mehr viel Wert gelegt." Zeitgleich zur Demonstration bauten Techniker vor dem Königsschloss die Bühne ab, auf der in der Nacht zuvor die Künstler der Eurovisionsgala "Willkommen uropa" ihren Auftritt hatten.
Zweiter Austragungsort der Gala war das Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Die abwechselnden Live-Schaltungen zwischen der olnischen und der deutschen Hauptstadt wurden ab 22.30 Uhr europaweit im Fernsehen übertragen. Dicht gedrängt erlebten die vorrangig jungen Leute im Warschauer Publikum Pop, Folklore und Klassik aus den neuen Beitrittsländern. Die Musiker und Tänzer waren auf Einladung des Europäischen Rats, der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments angereist. Mit einer polnischen und einer europäischen Flagge in den Händen mischte sich Martin Firlej unter die mehreren tausend Besucher. "Coole Party. Ich hoffe, dass die Unterschiede zwischen den neuen und den alten EU-Staaten bald der Vergangenheit angehören", sagte er.
Als um Mitternacht der Countdown bei null endete, gab es Beifall, aber keinen Jubel.
Veröffentlicht in der Magdeburger Volksstimme am 03.05.2004



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