Interview mit Feleknas Uca
Die kurdischstämmige Europaabgeordnete Feleknas Uca beweist den jungen Leuten durch ihre Wahl, dass die Tür der Politik auch für sie offen ist. Seit dem sie 22 Jahre ist sitzt sie im Europäischen Parlament. Für sie ist die Europäische Union nicht nur eine Wirtschaftsunion, sondern auch eine politische Union, wo Menschenrechte eingehalten werden, wo verschiedene Kulturen ihre Kultur erleben können und wo jeder Mensch seine Identität hat.
Europorter: Halten Sie die „USE“ ( Vereinigte Staaten von Europa ) nach dem Vorbild der USA für eine richtige Idee?
F. Uca: Ich halte sie für eine richtige Idee, aber nicht nach dem Vorbild der USA. Die USA lösen Konflikte mit militärischer Gewalt. Das ist der erste Punkt, der gegen die USA spricht. Zweitens meine ich, dass die USA die Demokratie im eigenen Lande nicht ganz erfüllt. Wenn ein Land von Demokratie spricht, muss man das erst im eigenen Lande schaffen. Die USA sollten erst die Todesstrafe abschaffen, dann kann sie für die Freiheit anderer Menschen kämpfen.
( z.B.: für die Iraker )
Europorter: Im Dezember 2004 wird darüber verhandelt, ob die Türkei der Europäischen Union beitritt. Welche Vor- und Nachteile sind bei einem Türkei- Beitritt oder bei einem Türkei- Nichtbeitritt vorhanden.
F. Uca: Die Kopenhagener Kriterien sind eine Hürde, die jeder Beitrittskandidat aus dem Weg räumen muss. Damit meine ich, dass die Kriterien auf jeden Fall erfüllt werden müssen. Die Türkei müsste sich in Bereichen wie Menschenrechte und Lösung des Kurdenproblems sehr stark verbessern. Dabei sollte nicht nur auf das Papier geachtet werden, sondern auch die Umsetzung der verabschiedeten Reformen sollte man sehr streng beobachten. Der Beitritt der Türkei würde dazu führen, dass die Türkei sich demokratisch verändert und die Menschenrechte in der Türkei würden in Zukunft eingehalten werden. Mit dem Beitritt der Türkei würden sich die Grenzen öffnen, damit wäre ein freier Handel möglich, der beiden Seiten Vorteile bringt.
Europorter: Wie sehen Sie die Kurdenproblematik aus der Sicht des Europaparlaments?
F. Uca: Die Dokumente der europäischen Union sprechen nicht von Kurden, sondern von Minderheiten. 20 Millionen Kurden in der Türkei werden als eine Minderheit abgestempelt. Das ist inakzeptabel. Die Europäer benutzen die selbe Sprache wie die türkische Regierung. Die Kurden müssen beim Namen genannt werden. Auch sollte man die kurdische Frage auf europäischer Ebene diskutieren. Die kurdische Frage ist nicht nur eine kurdische Frage, sondern auch eine europäische Frage.
Europorter: Wie spricht die PDS die Jugendlichen an?
F. Uca: Meiner Meinung nach hat die PDS weniger Probleme mit den Jugendlichen. Sie stellt junge Kandidaten zu den Wahlen auf. Auch ich selber bin mit 22 Jahren ins EP gewählt worden. Wir versuchen viele Veranstaltungen für Jugendliche zu organisieren. Ich meine, dass jede Partei Jugendliche motivieren muss sich an den Wahlen zu beteiligen und Jugendliche motivieren muss sich politisch zu bewegen.
Europorter: Warum zeigt sich Desinteresse der Jugend gegenüber der EU- Politik?
F. Uca: Viele Jugendliche denken, dass Europa weit entfernt ist und dass sie mit Europa nichts zu tun haben. Es stimmt, dass für deutsche Jugendliche die europäischen Institutionen weit weg sind, aber es ist schade, dass die Jugendlichen diese Entfernung wahrnehmen. Um dieses Problem zu lösen, spielen die Medien eine große Rolle. Die Medien müssen sich mit der EU beschäftigen, weil es schon sehr wichtig ist. Sie könnten helfen Europa den Bürgern näher zu bringen. Auch die Schulen spielen hier eine große Rolle. Sie müssen die Themen über Europa öfters behandeln. Um Europa den Jugendlichen näher zu bringen, müssen wir, also die Verantwortlichen, vom 3. Gang zum 5. Gang schalten. Ich bin ein Beweis, dass die Tür der Politik für die Jugendlichen geöffnet ist. Zwar ist es schwer, aber zu schaffen ist alles, wenn der Wille vorhanden ist.
Frau Uca, haben Sie vielen Dank für dieses Interview.
Zur Person: Feleknas Uca ist 27 Jahre alt und ist in Celle geboren. Mit 21 Jahren wurde sie Mitglied der PDS und im selben Jahr trat sie den Landesverband Niedersachsen der PDS bei. Schon mit 22 wurde sie ins Europaparlament gewählt. Ihre Themenschwerpunkte sind: Menschenrechte und Antirassismus, Gleichstellungspolitik, Türkei-Beitritt und Kurdenthematik, Kultur, Jugend, Bildung, Medien und Sport. Sie möchte erreichen, dass der Rassismus überwunden wird, Ausländer/Innen respektiert werden, Bildung für alle erreichbar ist usw. Kämpfen möchte sie gegen Sozialabbau und Entsolidarisierung.
Foto:
Das Interview führte Europorter Veyis Yaygir.



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