Mit Sneakers im Plenarsaal - von Elisabeth Rank
Letzte Woche trafen sich Schüler im Bundesrat. Sie schlüpften in die Rolle von EU-Abgeordneten
Im Bundespresseamt drängen sich am vergangenen Dienstag 160 Jugendliche. Sie sind aus allen Bundesländern zur Eröffnung des diesjährigen Modell Europa Parlaments (MEP) angereist. Nur vereinzelt blinken ein paar Sneakers zwischen blank geputzten Lederschuhen hervor. Hier sind sie die Ausnahme, obwohl der Raum gefüllt ist mit 15- bis 16-Jährigen. Eine Woche lang wollen sie Europa-Politik machen.
MEP.de 5 ist eine Simulation des Europäischen Parlamentes. Delegationen von jeweils acht Schülern vertreten dabei die einzelnen Bundesländer. Allerdings sind auch die neuen Mitgliedsstaaten Estland und Tschechien vertreten. Organisiert vom Verein Modell Europa Parlament e.V. soll diese Veranstaltung bei Jugendlichen das europäische Bewusstsein schärfen und zugleich Plattform sein für angewandte Rede und politische Gedanken. Die Schirmherrschaft trägt dieses Jahr Bundesratspräsident Dieter Althaus, dem Beirat gehört unter anderem Bundesaußenminister Joschka Fischer an. In dieser Woche werden die Schüler in verschiedenen Ausschüssen tagen, Beschlussvorlagen (Resolutionen) erarbeiten, sie im Bundesrat vortragen und versuchen, ihre Resolution durch das Plenum zu bringen.
Ausgerüstet mit Beamer und Drucker geht es nach den Eröffnungsreden direkt in die Ausschusssitzungen. Nachdem die letzten Saftflaschen geleert sind, heißt es sich an neue Umgangsformen zu gewöhnen, denn beim MEP gilt ein strenger Verhaltenskodex. Alle Teilnehmer siezen, sich jedes Mal für das Wort bedanken und den Ausschussvorsitzenden mit eben diesem Titel ansprechen - daran müssen sich alle erst gewöhnen. Aber nach einer Weile gelingt es, sachlich, distanziert und doch nicht emotionslos zu diskutieren. Hier ist nicht die persönliche Meinung gefragt, sondern die Jugendlichen sollen die Interessen ihres Landes vertreten. Sie arbeiten an Themen wie Jugendarbeitslosigkeit, Agrarpolitik, Emigrationsproblemen, Verbraucherschutz oder dem Irak-Konflikt.
Im Ausschuss für Jugendarbeitslosigkeit sprechen die frisch gebackenen EU-Abgeordneten darüber, wie man Schüler besser auf den europäischen Arbeitsmarkt vorbereiten und den Erwerb von Bildungsabschlüssen fördern könnte. Sie suchen nach Möglichkeiten, soziale Ausgrenzung zu verhindern und Firmengründungen von jungen Leuten zu unterstützen. Die Teilnehmer sind mit erstaunlichem Elan bei der Sache. Mit Leib und Seele sind sie Delegierter "ihres" Landes und stellen sich mit vollem Einsatz dem Ernst der Diskussion. Vielleicht ahnen sie, was es bedeuten würde, in einer EU mit einem lahmenden Arbeitsmarkt überleben zu müssen. Selbst Themen wie Überproduktion und Subventionen erregen die Gemüter. Hörte man vorher weg, wenn irgendwo von neuen EU-Richtlinien dazu die Rede war, spitzt man hier die Ohren. Selbst in den Pausen wird weiter beraten, um die Resolution gut zu machen. Und nach kurzer Zeit heißt es schon: "unsere" Resolution.
Zwischen Motivation und Erschöpfung, zwischen rot diskutierten Gesichtern und müden Augen, zwischen Aufregung und Erleichterung blitzt hier Optimismus durch.
Das MEP hilft, den Entscheidungsprozess der EU-Organe zu verstehen und sich eine Meinung zu bilden. Ein Stück Durchblick in Zeiten, in denen viele junge Menschen lieber ins Café oder shoppen gehen, als sich mit Politik auseinander zu setzen. Diejenigen, die hier mitmachen, dürften in Zukunft die Nachrichten im Fernsehen oder in der Zeitung mit anderen Augen betrachten. Sie werden wach sein.
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Die Europorter kommen
Anlässlich der EU-Erweiterung haben die Berliner Zeitung und die Europäische Bewegung zwei Jugendliche zu Europortern ernannt. In den kommenden Wochen werden sie auf der Jugend-und-Schule-Seite über die Erweiterung berichten. Das Projekt wird von der Europäischen Kommission und vom Auswärtigen Amt unterstützt.




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