20.01.12 10:04

DBV: „Die Verbraucher müssen ihr Preisverständnis ändern“

„Die Verbraucher müssen ihr Preisverständnis ändern. Erst dann wird sich die derzeitige Tierhaltung entscheidend verändern“. Mit dieser Aussage wird Dr. Heinrich Graf von Bassewitz, Ökobeauftragter des Deutschen Bauernverbandes (DBV), in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ in der Ausgabe am 19. Januar 2012 zitiert. Graf von Bassewitz ist Landwirt in Mecklenburg-Vorpommern und Mitglied im Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung.

Im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Bassewitz, dass „die Entwicklung der heutigen Produktionsverfahren vom Markt bestimmt sei. Die Verbraucher, die sich heute über die sogenannte Massentierhaltung beschweren, haben mit ihrem Kauf von Billig-Lebensmittel und ihrer extremen Preisbewusstheit letztlich genau diese Art der Landwirtschaft vorangetrieben“. Und weiter: „Über Massentierhaltung wird viel geredet, ohne dass dies definiert wird. Zehn Hektar Spargel könnten Agroindustrie sein, zehn Hektar mit Ochsen dagegen sind eine Misere“, kritisierte er. „Begriffe wie Massentierhaltung oder Agroindustrie sind nicht zutreffend und suggerieren falsche Eindrücke“.

Bassewitz verlangte zugleich eine bessere Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft und übte heftige Kritik an der Europäischen Union. „Die EU ist hier auf der völlig falschen Fährte“, sagte er. Bassewitz forderte, neue Förderkriterien im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens zu entwickeln. So könnte Ortsansässigkeit der Bauern ebenso belohnt werden, wie deren sozialgesellschaftliches Engagement in der Region oder Eigentum am Betrieb. „Denn das sichert die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft“, sagte Bassewitz. Entwicklungen wie in Übersee mit Finanzhaien oder Hedgefonds, die nur die Rendite im Auge hätten, wolle man nicht in der deutschen Landwirtschaft.

Auch der Plan von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos, ab einer bestimmten Flächengröße die Direktzahlungen zu kappen, entbehre jeden Realitätsbezug. „Nur weil jemand in Mecklenburg-Vorpommern 1000 Hektar Niedermoor-Boden bewirtschaftet, heißt das noch lange nicht, dass er zu viel produziert“, sagte Bassewitz. Ein Landwirt mit 200 Hektar in der Magdeburger Börde würde zum Beispiel weitaus mehr produzieren und verdienen.

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